Die Mutter sucht für ihre Töchter einen geeigneten Bräutigam, den lieben Kindern wurde ein Stein mehr im Leben aus dem Weg geräumt und für ausreichend Geld in der Handtasche ist nebenbei auch gesorgt. Dass „Liebe“ mit solch einem strategischen Kalkül überhaupt nicht funktionieren kann, durften die über 500 Besucher bei zwei Theaterabenden an der Heimschule Lender bei einer höchst amüsanten Love-Story miterleben. Dass diese emotional, aber vor allem turbulent und kompliziert ablief, war beabsichtigt und dazu führte Annika Huff die Gäste souverän entlang der uralten Frau-Mann-Thematik rund um Liebe, Lust und Leidenschaft. Doch es ging auch um „Stolz und Vorurteil“ analog des Romans von Jane Austen, die diesen schon vor über 200 Jahren schrieb. Doch der Inhalt hat eine ewig aktuelle Brisanz und war beim ersten Theaterstück in der neuen Aula ein Volltreffer, wofür alle ein großes Lob von Schulleiterin Petra Dollhofer erhielten.
Das Stück von Elke Brumm und Jörg Klein führte die Zuschauer mitten hinein in die feine englische Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts und war neben den ziemlich verwickelten Liebes-Dramen auch ein zeitgenössisches Bild einer Gesellschaft, deren Protagonisten nach dem Motto „Schönheit vergeht, Hektar besteht“ eher auf materielle Dinge als auf wahre Liebe schauten. Dies hat die Theater-AG unter der Regie von Thomas Dresel, Adrian Keller und Stefanie Walz mit den spielfreudigen Schülern der Mittel- und Oberstufe vorzüglich in Szene gesetzt. Dabei wurden sie von der Kostümbild-AG (Leitung Tanja Esser) elegant ausgestattet und von der Bühnenbild-AG (Eberhard Schreiber) und der Sound- & Recording-AG (Mathias Feigenbutz) in einen passenden Rahmen gestellt.
Die jungen Schauspieler zeigten eine großartige Bühnenpräsenz und schlüpften versiert in die Rollen wie die der leicht schrillen, aber umso agileren Mrs. Bennet (Carla Bruhn), die immerhin Mutter von fünf heiratsfähigen Töchtern war und diese endlich unter die Haube bringen wollte. Dazu kamen aber nur gut situierte, nette Herren in Frage, also der Traum einer Schwiegermutter, der als gute Partie auch das finanzielle Überleben der Familie sichern muss.
Doch die Mutter schlitterte am Rande des Nervenzusammenbruchs entlang und zückte alle weiblichen Tricks, um Jane (Nikolina Sladakovic), Elisabeth (Solveig Sonntag), Mary (Letizia Serrer), Kitty (Lou Truisi) und Lydia (Madita Sackmann) zu verkuppeln. Doch die Töchter spuren nicht so, wie die Mutter es will, und lesen lieber Bücher anstatt beim Tanzen die große Liebe zu finden. Doch als mit den Herren Bingley (Johannes Reimling), Darcy (Jeremias Hüttemann) und Collins (Johannes Zimny) gleich drei potenzielle Kandidaten die Bühne betreten, wurde das Liebes-Wirrwarr noch komplizierter. Als dann Elisabeth und Darcy irgendwie Stolz und Vorurteil überwanden, war das Eis gebrochen, die sich Liebenden fanden zueinander und entschwanden in den siebten Himmel der Liebe.
Text & Fotos: Roland Spether










