Wie lassen sich Terme mit Zahlen, mit x, ohne x und mit runden Klammern vereinfachen? Eine spannende Aufgabe, die auf den ersten Blick wenig nach Sommer, Sonne und Spaß klingt, aber in einem Klassenzimmer der „Sommerschule“ der Heimschule Lender erklärt, aufgelöst und geübt wird. „Terme berechnen ist wichtig, denn das benötigt man später für die Lösung von Gleichungen“, erklärt Lena Schmidt, der Mathematik richtig viel Spaß macht. Im neuen Schuljahr wird sie die Kursstufe besuchen, mag die „Königin der Wissenschaft“ schon immer und engagiert sich bis zum Schuljahresbeginn als „Lehrerin“ in Lender´s Sommerschule. Die weiß ihre „Schülerin“ Maria Heylmann sehr zu schätzen, denn Lena Schmidt kann alles sehr gut erklären, geht auf ihre Schwächen ein und hilft ihr dieses Problem mit den Zahlen mit und ohne x, mit und ohne Klammern zu lösen.
Dass Maria Heylmann in den letzten beiden Wochen der Ferien die Sommerschule besucht, frühmorgens aufsteht und Mathe paukt, ist für die Schülerin kein Problem. „Ins Schwimmbad gehen kann ich noch am Nachmittag“, meinte die Achtklässlerin, die ohne Probleme versetzt wurde. Weil Noten immer besser sein können, möchte sie dieses Thema besonders in Mathematik angehen und dazu legt sie jetzt die entsprechenden Grundlagen, um dann am 9. September so richtig und vor allem selbstbewusst durchstarten zu können. In den Klassenzimmern nebenan standen Englisch, Französisch und Latein auf dem Stundenplan, auch hierbei ging es darum, Versäumtes nachzulernen, Lücken im Unterrichtstoff aufzufüllen und gut vorbereitet in das neue Schuljahr hineinzukommen. Dazu möchten auch die Oberstufenschüler Annalena Mungenast und Felix Claes beitragen, gerne ihre Mitschüler „unterrichten“ und Hanne Lydia Starck in die Geheimnisse der englischen Grammatik und Leonardo Börger Camacho in die der Deklination und Konjugation der lateinischen Sprache einweihen. Beide Schüler haben sich überaus positiv über das Angebot der Sommerschule geäußert, da sich die Nachhilfegeber nur mit einem Schüler beschäftigen und deshalb gezielt der Frage nachgehen, weshalb in der englischen Zeitform „Simple Present“ bei „He, she, it“ immer auch das „s“ mit muss und nach welcher Logik die Formenlehre in Latein funktioniert.
Dass „Schüler Schülern helfen” war schon immer ein Markenzeichen der Lender und der Vereinigung der Altsasbacher mit deren fast 7.000 Mitgliedern, so dass es 2011 mit deren Unterstützung und auf Initiative von Katja Lang-Cappel und Gerd Sarcher zu diesem besonderen Schulmodell. „Die Sommerschule entfaltet ihre eigentliche Wirkung durch das Engagement der Schüler höherer Jahrgänge und auch Ehemaliger, die in einer Eins-zu-eins-Betreuung in verschiedenen Fächern die jüngeren Schüler unterstützen“, so der neue Schulleiter Marco Cataldo. „Für mich, der ich erst seit kurzer Zeit zur Heimschule gehöre, ist es beeindruckend wahrzunehmen, wie die Mitwirkung und Zusammenarbeit verschiedener Vertreter der Schulgemeinschaft den Lender-Geist mit Leben erfüllen. Er ist eben Ausdruck der besonderen Atmosphäre auf unserem Campus“, freut sich Marco Cataldo.
„Bei der Sommerschule geht es darum, dass die Schüler ihre Lernlücken schließen, um dann mit einer guten Grundlage und einem gestärkten Selbstbewusstsein das neue Schuljahr beginnen, so Fachlehrerin Tanja Kessler. Mit ihrer Kollegin Sandra Schmid-Ehreiser leitet sie die Sommerschule für Schüler der Klassenstufen sieben bis neun, die in der Regel auf Empfehlung ihrer Lehrer und manchmal auch auf Wunsch der Eltern in diese etwas andere Schule gehen. Die Gründe können nach Tanja Kessler ganz verschieden sein und reichen von Lücken, die bei einer längeren Krankheit entstanden sind, über Verstehensprobleme in bestimmten Fächern bis zur Überforderung während der normalen Schulzeit, die von morgens bis abends ganz schön anstrengend sein kann. Da kann es gut sein, dass der Fokus auf bestimmte Fächer gelegt wird, während andere darunter leiden. Ein Zeugnis mit eher mittelmäßigen Noten kann auch dafür sorgen, dass die Schüler von den Eltern „geschickt“ werden, um in schwachen Fächern stärker zu werden und bessere Noten zu schreiben. Weil sich manche Schüler schwer tun und langsamer als andere lernen, könnte die geplante Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasium „G9 neu“ in Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2025/2026, eine Möglichkeit für diese Schüler sein, mit einem Jahr mehr besser klar zu kommen. Deshalb befürwortet Tanja Kessler „G9“ neben dem „G8“-Zug, so dass es nach der geplanten Bildungsreform zwei Wege zum Abitur geben soll.
Text & Bilder: Roland Spether




