Dass der Traum von einem Leben auf einer „Insel der Seligen“ voll Freude, Glück und Unbeschwertheit auch eine Schattenseite hat und sehr schnell platzen kann, durften 1.000 Gäste der Heimschule Lender erleben. Denn Musiker, Sänger und Schauspieler unter der Leitung von Ulrich Noss reisten bei drei Aufführungen des Musicals „Elysion – Die Insel der Seligen“ mit den Zuschauern in den äußersten Westen des Erdkreises, wo nach der griechischen Mythologie jenes sagenhafte Land liegt, in dem die Schönen, Reichen und Mächtigen leben und die Götter diesen quasi Unsterblichkeit verliehen. Doch damals wie heute hat die Medaille zwei Seiten. Auf der Musicalbühne bestand diese aus einer unüberwindbaren Mauer, wobei auf der einen Seite ein Brunnen munter plätscherte, Kinder fröhlich spielten und die Menschen in Saus und Braus lebten, auf der anderen Seite herrschten Hunger, Elend und Tod.
Nach vielen tollen Musical-Produktionen der Lender-Marke „selbstgemacht“ seit 2009 wurde die Erfolgsgeschichte mit einer famosen Komposition fortgesetzt, die eigentlich für den Wettbewerb 2020 konzipiert wurde. Doch Corona sah eine andere Regie vor, die fantastische Reise nach „Elysion“ musste auf Eis gelegt werde und konnte erst in diesem Schuljahr mit etwa 150 Akteuren um das Musical-Orchester neu belebt werden, dafür aber mit umso größerer Begeisterung und Spielfreude, weil Schüler endlich wieder auf der Bühne stehen und ihre Klasse im Komponieren, Texten und Musizieren präsentieren konnten. Mit viel Fleiß und Können zauberten die Schüler der Bühnenbild-AG (Leitung Eberhard Schreiber) die Kulissen für die „elysischen Gefilde“ auf die Bühne, während Tanja Esser mit Schülern der Kostüm-AG mit viel Kreativität dafür sorgte, dass die Darsteller gemäß ihrer Rolle edel, majestätisch, uniformiert und ärmlich in Szene gesetzt wurden. Mit Licht und Ton der AG Sound & Recording (Leiter Mathias Feigenbutz) formte sich das Musical zu einem kulturellen Kunstwerk und wundervollen Musical mit modernen und niveauvollen Werken von Steffen Weis, Jona Blasen, Nick Wlasow und Janik Wang. Feine Klangfarben spiele Jana Langhart auf ihrer Konzertharfe und erfreute mit virtuosem Spiel auf einem selten gehörten, aber sehr schönen Instrument.
Auch wenn „Elysion“ auf der Bühne weit weg zu sein schien, es war ganz nah und dies spürten die Zuschauer sofort, als über die Mauer die Spannung zwischen Macht und Ohnmacht, Luxus und Armut, Glück und Leid aufgebaut wurde. Diese sozialkritischen Aspekte, die an so viele „Mauern“ in der Welt und an das menschliche Drama von Vertreibung, Flucht und Ausgrenzung erinnerten, waren von der Textgruppe bewusst so gewollt. Denn wie heute viele Flüchtlinge aufgrund von Hunger, Krieg und Ausweglosigkeit eine Tür durch die Mauern in der Welt suchen, so versuchte dies das Kind Marie (Maria Kohl) mit ihrer Mutter (Sophia Lugauer) und Geschwistern (Leonie Kohl, Jeremias Hüttemann). In dieser Welt „Elysion“ der machthungrige Soter, Vorfahre von Soteria (Mathilda Obermann), der die Menschen versklavte und für sich und seine Leute eine Insel der Seligen schuf. Doch es gibt eine Prophezeiung, nach der ein Kind „das Licht durch die Nacht trägt“ und zum Erlöser wird, die Mauer zum Einsturz bringt und für Eine Welt sorgt. Originell war, dass dieses Kind von Marie und dem Offizier Raymond Ludd (Markus Fallert) verkörpert wurde, der sich nach „Elysion“ einschlich, zu Ruhm und Ehre kam und dann die Tür durch die Mauer öffnete und den Weg der Befreiung von der Tyrannei mit dem Tod bezahlte.
Text & Bilder: Roland Spether
Der ABB berichtet am 11. Juli 2022: „Kritik an der Insel der Seligen. 1.000 Besucher erleben an der Heimschule Lender das Schüler-Musical“
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