Streichorchester beim Händel-Jugendpreis 2024 in Karlsruhe

2024 02 Lender Gymnasium Musik Händelfestspiele (7)

D, A, H, Fis, G – 5 einfache Noten, die ich mit etwas Fabelhaftem verbinde. Mit langen weiten Fluren, pompösen roten Vorhängen und nun auch meinem Großvater, einem Künstler, Freigeist und Musiker.

Am Sonntag, 18. Februar, 8:45 Uhr begann alles mit dem üblichen Treffen vor der Schule, um uns Musiker auf die fahrenden Autos zu verteilen. Schon jetzt bemerkte man die Vorfreude, die unter uns allen herrschte. Mit unserer Verstärkung Hendrik Münchenberg (einem jungen Altsasbacher unserer Schule) im Gepäck, der unsere dritten Geigen unterstützen würde, fuhren wir gemeinsam nach Karlsruhe. Als wir ankamen und voller Ehrfurcht den Künstlereingang betraten, wurden wir sofort in den Probesaal des Orchesters geführt. Diesen verließen wir schnell, um auf der großen Bühne des KLEINEN HAUSES im Badischen Staatstheater zu proben.

Eine wundervolle Bühne mit roten und goldenen Vorhängen, goldenen Kronleuchtern und knarzenden Dielen tat sich vor uns auf. Selbst Georg Friedrich Händel stand glitzernd auf einem roten Sockel und wartete gespannt auf die kommenden Darbietungen. Schon gleich nach der Probe füllte sich rasch der Saal und es kam unser großer Moment. Solveig Sonntag, unsere Konzertmeisterin, kündigte unser Stück, welches wir heute spielen durften, mit vielversprechenden Worten an: Johann Pachelbels weltbekannter Kanon in D-Dur.

Diesen durften wir auf der großen Bühne, im Rahmen der internationalen Händel-Festspiele 2024, präsentieren. Am 13.01.24 hatten wir beim Händel-Jugend-Wettbewerb im Schloss Gottesau in Karlsruhe einen hervorragenden Preis ergattert. Dort traten wir nicht nur mit dem Pachelbelkanon an, sondern durften auch ein Flötenkonzert in D-Dur von Georg Friedrich Händel mit Lia Sester als Solistin zum besten geben. Wir waren alle sehr stolz. Nach so vielen Jahren wurde es wahr, unser Streichorchester der Heimschule Lender erhielt einen ausgezeichneten Förderpreis in der Kategorie C (Werke für größere Ensembles wie Chor und Orchester) und wir durften endlich am diesjährigen Preisträgerkonzert teilnehmen. Ulrich Noss, unserem Orchesterleiter, sei Dank, der uns unermüdlich all die Jahre anfeuert und uns immer das Gefühl gibt, das Beste aus uns herausgeholt zu haben. Mit seiner guten Laune ist er stets an unserer Seite und vermittelt uns große Freude am gemeinsamen Spielen und der Musik. Er gibt uns das Gefühl talentierte Musiker zu sein und wir haben ihm viel zu verdanken.

Und das sah auch die Jury der „Händel-Gesellschaft e.V.“ so. Unvermittelt, nach unserem Auftritt wurde Ulrich Noss nochmal auf die Bühne gebeten und wurde vor allen Zuschauern für sein großes Engagement geehrt. Er bekam einen außerordentlichen Preis. Seit 2020 wird der undotierte Casimir-Schweizelsperg-Preis für besonders engagierte Musikpädagog*innen verliehen. Sichtlich stolz und gerührt nahm er den Preis von dem Vorsitzenden der Händel-Gesellschaft Karlsruhe e.V. Herrn Prof. Dr. Peter Overbeck unter tosendem Applaus entgegen. Keiner hat ihn so verdient wie er. Unermüdlich inspiriert er uns, Bestleistungen zu geben. Er nimmt sich Zeit, um auch in seiner privaten Freizeit mit uns Konzerte zu spielen und zu besuchen. Seine Auffassung von Musik erleben wir, indem wir mit ihm singen, musizieren und zusammen Musik erleben. Sein großes Engagement ist für uns alle ein Glück.

Das weitere Preisträgerkonzert durften wir dann selbst im Saal verfolgen. Die Auftritte der anderen wunderbaren jungen Künstler mit Blockflöten und anderen Blas- und Streichinstrumenten begeisterten auch uns. Besonders spannend war es für uns, den Klängen der original barocken Musikinstrumente zu folgen, wie dem Barockcello und der Barockgeige, der Barockoboe, der barocken Tenorblockflöte sowie dem Cembalo. Die Besonderheit der Instrumente mit ihren Saiten, unterschiedlichen Klappen oder dem fehlenden Ständer beim Cello wurde uns von den Teilnehmern vorher erläutert. Die Qualität der anderen Teilnehmer war außerordentlich hoch und es war außerdem nett, sich hinter der Bühne mit ihnen auszutauschen.

Ich persönlich habe unseren Auftritt als sehr aufregend und spannend empfunden. Und ich weiß nun, was ich meinem Großvater auch noch zu verdanken habe: Die Disziplin 5 Minuten lang immer wieder die gleichen 5 Töne D, A, H, Fis, G 28 mal so zu spielen, als wären sie die wichtigsten Noten auf dieser Welt. Mein Großvater, war übrigens Konzertmeister am Badischen Staatstheater in Karlsruhe. Ich habe ihn leider nie kennengelernt. Aber durch den Künstlereingang zu laufen und seinen musikalischen Geist zu spüren, hat mich stolz gemacht. Ich bin stolz, mit meinen Freunden, wunderbaren Musikern, dieses tolle Ereignis erlebt zu haben.

@Ulrich Noss: auch Cellisten können übrigens Konzertmeister werden, habe ich auf der Seite des Badischen Staatstheaters gelesen. Und wir Celli (meine Mädels und ich) können auch mehr als die 5 Töne des Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel spielen. 😊

Wir freuen uns auf die nächsten Jahre, auf kommende Konzerte und tolle Erlebnisse.
Es war ein unvergessenes Erlebnis für mich, in Karlsruhe auf der Bühne meines Großvaters mit dem Streichorchester zusammen unter der Leitung von Ulrich Noss zu musizieren.

Text: Felia Conrad, Cellistin aus der Klasse 9d
Bilder: (C) Badisches Staatstheater/ Thorsten Wulff & Felia Conrad