Wenn Schwester Xista von der Krankenvilla der Lender wieder „lebendig“ wird, unglaubliche Geschichten vom Lendergeist als Retter in schier ausweglosen Abi-Prüfungen erzählt werden und rockige Lieder über das „alte Mädel“ Lender erklingen, dann sind die Altsasbachertage. Dann spazieren nicht mehr ganz so junge und auch ziemlich ältere „Schüler“ über den Campus, treffen sich mit ihren Klassenkameraden von einst und lassen als Gäste der Vereinigung der Altsasbacher eine Tradition aufleben, die bis 1920 zurückreicht, als dieser in der Schulwelt in der Region und weit darüber hinaus einmaliger Verein gegründet wurde. „Diese Gemeinschaft lebt vom Zusammenhalt der ehemaligen Schülerinnen und Schüler und es ist eine Verbindung, die sich über Generationen erschreckt und die Werte wie Freundschaft gegenseitige Unterstützung und die christliche Prägung unserer Schule hochhält“, so Oberbürgermeister Manuel Tabor (Achern), Vorsitzende der Altsasbacher.
„Manche Schüler kehren ihrer alten Schule den Rücken, unsere Altsasbacher kehren an ihre Schule zurück.“ Mit dieser Feststellung beschrieb von Adrian Keller, zweiter Altsasbacher-Vorsitzender, eine Wahrheit, die sich jetzt mit dem Besuch von über 250 Ehemaligen bestätigte. Darunter waren mit Pfarrer Felix Baumann (Lauf) und Hans-Peter Menninger (Karlsruhe) zwei Jubilare, die vor 70 Jahren ihr Abitur an der Lender ablegten, die besten Erinnerungen an ihre Schulzeit haben und immer wieder gerne nach Sasbach kommen. Ganze Bücher könnten die Jubilare erzählen, angefangen von den eingefrorenen Waschbecken im Winter über die kargen Nachkriegsjahre bis zu Schwestern wie die „dicke Berta“, die sich liebevoll um die Buben im Internat kümmerten. Denn ihnen sollte so kurz nach einer leidvollen Zeit über Bildung, Gemeinschaft und Verantwortung eine bessere Zukunft eröffnet werden, was sich auch einstellte. Denn Felix Baumann wurden Priester und leitet noch sehr gerne Gottesdienste in Achern, während Hans-Peter Menninger als Maschinenbau-Ingenieur weltweit unterwegs war. Nun kamen beide wieder nach Sasbach und blickten wie alle Ehemaligen dankbar auf ihre Lender-Zeit zurück, die ihrem Leben eine nachhaltige Prägung mit auf den Weg gaben. Dies erfuhren auch jene Jubilare, die vor 60 und 50 Jahre ihr Abitur bestanden und dafür von Schulleiter Marco Cataldo und Adrian Keller die Zeugnisse „Abiturium adamanteum“ und „Abiturium aureum“ in der Heimkirche verliehen. Unter den 50er Jubilaren war auch der promovierte Allgemeinmediziner Thomas Kohler (Achern), dessen Vater und Großvater die Lender besuchte und als Ärzte die Schüler in der Krankenvilla medizinisch versorgten. Nun hielt Thomas Kohler zum Thema „Schule und Gesundheit“ und aus der Perspektive der Schüler, Lehrer und Eltern einen interessanten Vortrag mit guten Impulsen, aber auch mit „modernen“ Krankheitsbildern.
Nach einem Gedenkgottesdienst der Schulseelsorge (Gabriel Breite und Kerstin Charenton) gestaltete dies auch den Festgottesdienst mit dem Pirminer Thomas Hertlein sowie den Acherner Jubilaren Pfarrer Martin Schlick und Diakon Gereon Burster. Wie schön moderne sakrale Musik von Jungsasbachern klingt, durften die Altsasbacher mit dem Musikprofil 10 unter der Leitung von Markus Bieringer erleben. Am Abend zuvor waren es die Musiklehrer Christine Alshut, Stefan Nowak und Markus Bieringer, die auf dem Steinway-Flügel klassische Klavierstücke für vier und sechs Hände virtuos präsentierten. Das war ein musikalischer Genuss mit dem „Lender-Flügel“, den auch die Altsasbacher mitfinanzierten.
Was „entschlossene Solidarität und Verantwortung füreinander ganz konkret bedeutet, zeigte Manuel Tabor entlang einer langen Reihe von Projekten, Stipendien und Förderungen auf. Dank der über 6.000 Mitglieder ist es möglich, jedes Jahr etwa 90.000 Euro in Projekte der Arbeitsgemeinschaften oder in die direkte Förderung von Schülern etwa für Theaterfahrten, Exkursionen oder den Sozialpreis einzubringen. Für diese wertvolle Mitgestaltung des Schullebens bedankte sich Marco Cataldo vor allem im Blick auf die Schüler, die auf ein „Leben in Selbstwirksamkeit und Freiheit in Verantwortung“ vorbereitet werden. Dazu werde derzeit ein neues pädagogisches Konzept entwickelt, um mit den Schülern neue zukunftsfähige Wege auch in Eigenverantwortung zu gehen.
Text & Fotos: Roland Spether






