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„Der Sasbacher“ von 1926: Wie die Ur-Schulschrift das Band zwischen Jung- & Altsasbachern knüpfte

2026 10 Lender Gymnasium Der erste Sasbacher5 Historischer Blick in den Internatshof

Welche Sorgen plagten Lehrer der „Lenderschen Lehranstalt“ vor 100 Jahren. Die erste Ausgabe der Schulschrift „Der Sasbach“ von 1926 gewährt einige interessante Einblicke in das Schul- und Internatsleben, hält Lustiges aus den Klassenzimmern bereit und gibt den „werten Eltern“ nötige Ratschläge. So legt Direktor Fridolin Amann den Eltern kurz vor den Weihnachtsferien 1926 dringend ans Herz, „im Interesse der Gesundheit der Schüler diese mit warmer Kleidung und Schuhe zu versehen“. Denn im November hatten einige Schüler noch keine Winterkleider, denn die „Lenderbuben“ liefen noch mit kurzen Hosen und kratzenden Strümpfen umher. Ganz wichtig war dem Herrn Direktor angesichts der nahenden Weihnachtsferien der Hinweis, dass die Eltern gewissenhaft darauf achten, mit wem ihre Söhne umgehen. „Was wir hier in mühseliger erzieherischer Arbeit aufzubauen suchten, reißt ungeeigneter Verkehr in den Ferien nicht selten nieder.“

Wenn an diesem Wochenende 17./18. Oktober die Ehemaligen der Jubiläumsjahrgänge anreisen und Gäste der Vereinigung der Altsasbacher und des Lender-Gymasiums sind, dann werden zwar nicht Erinnerungen bis in die 1920er Jahre lebendig. Wohl aber an den Sasbacher, den damals Altsasbacher als einen „lieben Kameraden“ und als Verbindung zu den Jungsasbachern verstanden. „Der Sasbacher will die Einsamen aufsuchen, die Zerstreuten sammeln und ihnen von Vergangenheit und Gegenwart erzählen. „Da werden in manchem alte Erinnerungen wach: ein Lächeln huscht über das Gesicht, die Hand greift vielleicht gar zur Feder und hält fest, wie es damals gewesen.“ Es wurde auch deutlich die Ehemaligen angesprochen, „Erinnerungen zu sammeln, bevor ihre Träger, die Zöglinge der ersten Jahrzehnte, dem verewigten Stifter der Anstalt nachfolgen.“ Denn Franz Xaver Lender starb am 29. Juli 1913, seine Schule gründete er 1875 und 1920 formierten sich die Altsasbacher, um „ihre“ Schule zu unterstützen und am „einigenden Band“ zu Jungsasbach festzuhalten. „Der Sasbacher will mitarbeiten, den altbewährten Geist der Lenderschen Lehranstalt auch für die neuen Verhältnisse der Gegenwart lebendig zu erhalten, zum Segen für die Familien, für Kirche und Vaterland“, so der Sasbacher 1926.

Hungrige Schüler, himmelschreiende Not, galoppierende Inflation! Die 1920er Jahren waren wahrlich kein Zuckerschlecken. Die Lehrer mussten in den Bauerndörfern Lebensmittel für die ausgehungerten „Kostgänger“ betteln und die Schule stand vor dem finanziellen Aus. Doch von überallher kam Geld von ehemaligen Schülern, selbst aus dem Vatikan gab es eine ansehnliche Spende, nachdem Reichskanzler Josef Wirth persönlich beim Heiligen Stuhl vorsprach. In diesen schwierigen Jahren bewährte sich der „Lendergeist“, als sich die Altsasbacher gründeten, treu zu Lenders Werk standen und handelten. Dies tut die Vereinigung bis heute, denn über 6.000 Mitglieder um die Vorsitzenden Oberbürgermeister Manuel Tabor und Adrian Keller leisten einen hohen finanziellen, ideellen und personellen Einsatz für die Schulgemeinschaft.

Im ersten Sasbacher schreibt Stadtpfarrer F.K. Graf aus Heitersheim über die Anfänge der Schule, als er bereits 1873 mit Anton Bürk, Bernhard Ketterer und Bernhard Vollmer von Vikar Karl Marbe in Latein unterrichtet wurde. Dann stellte Lender mit Vikar Karl Fehrenbach einen Lehrer ein, der sich wie Lender im badischen Kulturkampf vehement gegen den Druck des Staates auf die Kirche einsetzte. Den Vikar durfte der Autor am 20. September 1875 am Bahnhof abholen und sein „Köfferchen“ nach Sasbach tragen. Mit dem sehr fähigen Lehrer zogen neben Latein auch Französisch, Griechisch und Algebra in das Pfarrhaus ein, in dem die Geburtsstunde der Lender schlug.

Das erste Titelbild zeichnete der Kunstlehrer Toni Merz, das zwei Lenderbuben mit Kappen und Schulranzen zeigt, die in den Internatshof laufen. Kunst auf der Titelseite führten Claus Frank, Bernd Behrends, Klaus-Jürgen Prohl, Elisabeth Naumann, Eberhard Schreiber sowie die aktuelle Leiterin der Fachschaft Kunst, Svenja Bohnert, fort, auch Schüler setzen  künstlerische Akzente. Über Jahrzehnte hinweg war Direktor Werner Guldenfels der Schriftleiter, ihm folgten Gerd Sarcher, Ute Wagner, Roswitha Droll sowie aktuell Stefan Sauer und Gabriel Wagner, die auch 2026 ein Werk von über 300 Seiten aus dem Schulleben veröffentlichten.

Text, Fotos & Repros: Roland Spether